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Treue zum Petrusamt schenkt Ausgeglichenheit und innere Freiheit Drucken E-Mail

Die Menschwerdung Gottes ist das grundlegende Ereignis der ganzen Geschichte und war von Ewigkeit her vorgesehen. Der Papst bei der Generalaudienz über den Mönchstheologen Rupert von Deutz.

Vatikan (kath.net/Zenit) "Wenn in der Kirche Kontroversen auftreten, garantiert der Bezug zum Petrusamt die Treue zur gesunden Lehre und schenkt Ausgeglichenheit und innere Freiheit." Dies erklärte Papst Benedikt XVI. während der heutigen Generalaudienz in der Audienzhalle Paolo VI vor rund 8.000 Pilgern und Besuchern. In seiner Katechese beschäftigte sich der Papst mit der Gestalt des Benediktinermönchs Rupert von Deutz (auch Rupertus Tuitensis; * um 1070; † 4. März 1130 in Deutz).

In Zeiten, die durch Kontraste zwischen dem Papsttum und dem Kaiserreich durch den so genannten Investiturstreit charakterisiert gewesen seien, habe sich Rupert durch seine äußerst integre moralischen Geradlinigkeit sowie seine Verbundenheit mit dem Stuhl des Petrus ausgezeichnet.

Im Jahr 1116 hätten seine Gegner Rupert sogar den Prozess machen wollen. Obwohl er freigesprochen worden sei, habe es Rupert vorgezogen, sich für eine gewisse Zeit nach Siesburg zu begeben. Da die Auseinandersetzungen jedoch noch zu keinem Ende gekommen waren, sei er in das Kloster von Lüttich zurückgekehrt und habe beschlossen, sich endgültig in Deutschland niederzulassen. 1120 sei er zum Abt von Deutz gewählt worden, wo er bis zu seinem Tod 1129 geblieben sei. Nur im Jahr 1124 habe er das Kloster anlässlich einer Pilgerreise nach Rom verlassen.

Rupert sei als fruchtbarer Schriftsteller in verschiedenen und wichtigen theologischen Debatten seiner Zeit gegenwärtig gewesen. Dabei habe er entschlossen seinen Beitrag zur eucharistischen Kontroverse geleistet, die 1077 zur Verurteilung von Berengar von Tours geführt hatte. Dieser habe eine reduktive Interpretation der Gegenwart Christi im Sakrament der Eucharistie gegeben und sie nur symbolisch gesehen.

Der Papst erinnerte daran, dass der Begriff der „Transubstantiation" noch nicht in die Sprache der Kirche Eingang gefunden hatte. Dennoch habe Rupert zu den Verfechtern des „eucharistischen Realismus" gehört.

Die Mahnung des Rupert gelte auch für unsere Zeit, fügte Benedikt XVI. in freier Rede hinzu, „in der wir zu leicht vergessen, dass in der Eucharistie der auferstandene Christus mit seinem Leib gegenwärtig ist, um uns aus uns herauszuholen, uns in seinen unsterblichen Leib einzuverleiben und uns so zum neuen Leben zu führen".

„Die Realpräsenz Christi im Sakrament ist wirklich ein großes Geschenk: sie ist ein Geheimnis, das anzubeten und zu lieben ist". Christus „ist in der Eucharistie als ganzer Gott und ganzer Mensch gegenwärtig." Somit dürfe die Eucharistie nicht als ein Ritus der Gemeinschaft oder der „Sozialisierung" gesehen werden.

Auch das Problem des Bösen gegenüber der Allmacht Gottes habe zu den Themen gehört, die Rupert behandelt habe. Dazu betonte Benedikt XVI., dass der Ursprung des Bösen im Menschen und im falschen Gebrauch der Freiheit liegt. Rupert sei von der Güte Gottes ausgegangen, von der Wahrheit, „dass Gott das höchste Gut ist und nur das Gute wollen kann".

Auf die Frage, warum der Sohn Gottes Mensch geworden ist, antworte Rupert mit einer christozentrischen Sicht der Heilsgeschichte. Er weite die Perspektive und erkläre, dass die Fleischwerdung von Ewigkeit her und unabhängig von der Sünde des Menschen geplant gewesen sei. In dieser Perspektive bedeute die schwangere Frau in der „Offenbarung des Johannes" die „gesamte Geschichte und die Menschheit, die auf Christus ausgerichtet ist, so wie die Empfängnis auf die Geburt ausgerichtet ist".

Benedikt XVI. hob hervor, dass diese Perspektive von anderen Denkern weiter entwickelt worden sei und auch in der gegenwärtigen Theologie Wertschätzung gefunden habe.

Abschließend ging der Papst auf die Originalität Ruperts bei der Auslegung der Heiligen Schrift ein und erinnerte daran, dass er als erster die Braut des Hohenlieds der Liebe mit Maria identifiziert habe. So erweise sich sein Kommentar zu diesem alttestamentlichen Buch als eine Art „mariologische Summe". Rupert sehe des weiteren in Maria den heiligsten Teil der ganzen Kirche.

Benedikt XVI. beendete die Audienz mit einem Wort Ruperts: „Ich habe erfahren, wie wahr es ist, was er sagt: lernt von mir, der ich mild und demütig im Herzen bin".

„Dies ist eine Einladung, die an uns alle ergeht. Auch wir können Jesus, dem Herrn, begegnen, der unseren Weg unaufhörlich begleitet, im eucharistischen Brot und in seinem Wort für unser Heil gegenwärtig wird."

In seiner deutschsprachigen Zusammenfassung der Katechese sagte der Papst wörtlich: "Liebe Brüder und Schwestern! Heute wollen wir uns einem weiteren bedeutenden Vertreter der Mönchstheologie des frühen Mittelalters zuwenden. Sein Name ist Rupert von Deutz. Er wurde um 1075 bei Lüttich im heutigen Belgien geboren und schon als Kind dem dortigen Benediktinerkloster Sankt Laurentius in Obhut gegeben.

Als junger Mönch geriet er aufgrund seiner Treue zum Papst in die politischen und theologischen Auseinandersetzungen seiner Zeit und mußte mehrmals sein Kloster verlassen. Im Jahre 1120 wurde Rupert zum Abt des Klosters in Deutz am Rhein gegenüber von Köln ernannt, und dort ist er auch 1129 gestorben.

Rupert war ein ungemein produktiver Denker, der uns eine Fülle von Schriften zu verschiedenen theologischen Fragen hinterlassen hat, zum Beispiel zur realen Präsenz Jesu Christi in der Eucharistie und zur Frage nach dem Willen Gottes zur Menschwerdung von Anfang an.

Eine Neuheit seines theologischen Schaffens bestand darin, daß er die Schriftauslegung unter einen thematischen Schwerpunkt stellte. So entwickelte er aus seinem Matthäuskommentar eine Christologie und aus dem Kommentar zum Hohenlied eine Mariologie. Dabei verfolgte er das Ziel, einzelne Themen des Glaubens aus dem Gesamt der Offenbarung heraus, wie sie in der Heiligen Schrift aufscheint, zu betrachten.

Die Menschwerdung Christi ist das grundlegende Ereignis der ganzen Geschichte. Sie ist, so sagt Rupert von Deutz, nicht durch den Sündenfall des Menschen bedingt, sondern von Ewigkeit vorgesehen, damit die ganze Schöpfung Gott loben und wie eine einzige Familie mit und um Christus Gott lieben, sich mit ihm vereinigen kann. Christus ist die Mitte der Heilsgeschichte, und in ihm finden alle Ereignisse der Geschichte einen wunderbaren Zusammenhang."

Der Papst grüßte auch die deutschsprachigen Pilger: "Ganz herzlich grüße ich alle deutschsprachigen Pilger und Besucher. Wir alle dürfen Christus begegnen, der beständig auf unserem Lebensweg mit uns geht und sich in der Eucharistie wie im Wort Gottes für uns gegenwärtig macht. Diese Nähe des Herrn wollen wir gerade in der Vorbereitungszeit auf Weihnachten vermehrt suchen. Gottes Geist stärke euch allezeit.

 
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