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Universaler Primat des Papstes? Unter keinen Umständen akzeptabel! Drucken E-Mail

Von Oliver Maksan   

Ein Gespräch mit Metropolit Hilarion Alfeyev, dem Leiter des Außenamtes des Moskauer Patriarchats


Eminenz, wozu sollten sich Papst und Patriarch treffen?

Es wäre schlicht angemessen, wenn sich der Führer der größten christlichen Kirche mit dem der zweitgrößten treffen würde. Bisher gab es ein solches Treffen ja nicht. Wenn ein solches Treffen aber zustandekommen sollte, dann müsste es zu konkreten Ergebnissen führen. Protokollarisches Händeschütteln für die Kameras braucht niemand. Deshalb muss ein solches Treffen gut vorbereitet sein. Uns trennende Probleme gibt es ja genug.

Welche?

Nehmen Sie das Problem der Unierten in der westlichen Ukraine. Dort wurden unsere Gläubigen von Unierten gewaltsam aus ihren Kirchen vertrieben.

Haben Sie Signale vom Vatikan, dass diese Probleme gelöst werden können?

Nein. Und das ist sehr betrüblich. Jüngst habe ich einen Brief von Kardinal Kasper erhalten. Darin antwortet er auf meinen Vorschlag, eine gemeinsame Kommission des Heiligen Stuhls und des Patriarchats zu gründen, die die Probleme in der Ukraine behandelt. Der Kardinal hat mir geantwortet, dass es sich dabei um ein innerukrainisches Problem handelt, das unierte Katholiken und Orthodoxe lokal zu lösen hätten. Das Problem ist allerdings, dass es nicht lokal gelöst werden kann.

Aber weshalb?

Nun, weil es schlichtweg nicht gelöst wird. Es geschieht nichts. Seit fast zwanzig Jahren ist die Situation wie sie ist. Wir haben dem Vatikan immer unsere Bereitschaft signalisiert, konkrete Fälle zu studieren und zu spezifischen Lösungen zu kommen. Wenn beispielsweise große Gruppen orthodoxer Gläubiger von Unierten nach dem Ende der Sowjetunion aus ihren Kirchen vertrieben wurden und jetzt im Wald Liturgie feiern müssen, dann muss hier Abhilfe geschaffen werden. Beispielsweise durch den Bau einer neuen Kirche. Aber bestimmte Leute im Vatikan wollen schlicht nicht auf unsere einfachen und konkreten Vorschläge eingehen.

Nun argumentieren die ukrainischen Unierten, dass sie ihrerseits unter Stalin enteignet und ihre Gotteshäuser orthodoxen Gläubigen übergeben wurden.

Wir leben nicht mehr im Jahre 1946. Was damals unter den Sowjets geschah, war ein geschichtliches Unrecht. Die griechisch-katholische Kirche wurde vom Staat verboten und viele ihrer Kirchen uns gegeben. Aber man kann nicht eine geschichtliche Wunde heilen, indem man eine neue aufreißt. Was 1946 geschah, ging zurück auf die Initiative eines atheistischen Regimes. Was Anfang der 90er Jahre geschah, ging von Leuten aus, die sich Christen nennen. Sie übernahmen Kirchen teilweise mit Gewalt, ohne vorher das Gespräch zu suchen oder den Rechtsweg zu gehen. Die Konsequenzen dieses neuen Unrechts sind in der westlichen Ukraine noch immer zu sehen.

Der andere große Streitpunkt zwischen Rom und Moskau ist der von Ihrer Seite erhobene Vorwurf der Proselytenmacherei, also des Abwerbens von Gläubigen auf dem von ihr beanspruchten „kanonischen Territorium“. Nun herrscht in Russland Religionsfreiheit und damit auch das Recht, seinen Glauben frei zu wählen und zu konvertieren. Wollen Sie dieses Recht eingeschränkt sehen?

Es geht uns nicht um individuelle Fälle. Konversionen vom Katholizismus zur Orthodoxie und umgekehrt sind eine Sache der persönlichen Gewissensfreiheit. Was wir kritisieren, ist der strategisch betriebene Diebstahl von Gläubigen der einen Kirche durch die andere.

Ist das von katholischer Seite geschehen?

Es ist in der Vergangenheit geschehen, vor allem zu Beginn der 90er Jahre. Wenn es

das heute noch gibt, dann nur noch in sehr geringem Ausmaß.

Aber was ist mit Ungetauften? Darf die katholische Kirche Russlands nicht um sie werben?

Vergessen Sie bitte nicht, dass Russland auf mehr als 1000 Jahre christliche Geschichte zurückblickt. Es gibt hier eine nationale Kirche. Und das ist eben die russisch-orthodoxe Kirche. Das sollte die römisch-katholische Kirche respektieren.

Sie haben im September den Papst in Castel Gandolfo besucht. Haben Sie ihn auf die beschriebenen Probleme angesprochen?

Ja.

Wie hat er reagiert?

Ich glaube nicht, dass ich ein persönliches Gespräch enthüllen sollte. Am besten, Sie fragen ihn selbst.

Kein Geheimnis ist jedenfalls, dass der Heilige Vater eine große Liebe zur Liturgie hat. Sie haben einmal kritisiert, dass die katholische Liturgie immer protestantischer würde. Nun hat der Papst die Alte Messe wieder zugelassen. Ist das ein Schritt auf die orthodoxe Kirche zu?

Je mehr Raum der Tradition gegeben wird, desto näher kommt man auch uns. Denn wir sind eine traditionsverbundene Kirche. Der Weg zum besseren gegenseitigen Verständnis ist es, unsere gemeinsamen Wurzeln in der alten, ungeteilten Kirche wiederzuentdecken. Je näher wir dieser gemeinsamen Tradition kommen, nicht nur liturgisch, sondern auch theologisch, desto näher kommen wir einander.

Wie bewerten Sie in diesem Kontext die Bemühungen Roms, das Schisma mit der traditionalistischen Piusbruderschaft zu heilen?

Das ist eine innerkatholische Angelegenheit. Es hat allenfalls einen indirekten Einfluss auf die Beziehungen zu uns und zwar dann, wenn durch die Versöhnung mit der Piusbruderschaft der traditionelle, konservative Flügel in der römisch-katholischen Kirche gegenüber dem liberalen gestärkt wird. Denn wir Orthodoxen sind wie gesagt eine traditionelle Kirche.

Wie würden Sie eigentlich das Ziel des Ökumenismus beschreiben?

Aus unserer Sicht ist es das bessere Verständnis der Traditionen und des Selbstverständnisses des anderen. Das ist vielleicht das einzige realistische Ziel der ökumenischen Anstrengungen. In einer idealistischeren Perspektive sollte es zur kirchlichen Wiedervereinigung der Christenheit führen.

Wie sähe die aus?

Unter keinen Umständen können wir den universalen Primat des Papstes akzeptieren. Für den – eher unwahrscheinlichen – Fall, dass es zu einer kirchlichen Wiedervereinigung kommt, könnte der Papst die Rolle eines Patriarchen des Westens spielen. In jedem Falle aber wäre die geeinte Kirche so zu leiten, wie das im ersten Jahrtausend vor dem Großen Schisma der Fall war.

So weit ist es nun noch nicht. Wenn sich Papst und Patriarch jetzt treffen würden: Worüber würden sie eigentlich sprechen?

Darüber wäre zu entscheiden, sobald es soweit ist.

Lassen Sie uns beim Ökumenismus bleiben, aber die Kirche wechseln. Mit der Wahl Margot Käßmanns an die Spitze der Evangelischen Kirche Deutschlands hat die russische Kirche Konsequenzen gezogen und die bilateralen Gespräche ausgesetzt. Jetzt ist Frau Käßmann kürzlich aus eher untheologischen Gründen zurückgetreten und ihr mit Präses Schneider ein Mann nachgefolgt. Geht es jetzt weiter wie bisher? Oder wollen Sie Ihren Dialog mit der EKD grundsätzlich neu ordnen – unabhängig vom Geschlecht des Ratsvorsitzenden?

Die offizielle Wahl eines neuen EKD-Ratsvorsitzenden hat ja noch nicht stattgefunden. Wir werden darauf vorbereitet sein, die Verhandlungen über die Erneuerung eines Dialoges mit der EKD nach der Wahl im November fortzuführen. Wie auch immer, wir sind jedenfalls besorgt über die Liberalisierung der Theologie, der Kirchenordnung und der Moral im westlichen Protestantismus. Ein Dialog sollte die Partner näher zusammenführen. Für den Fall aber, dass es einer der Partner an Aufmerksamkeit für die Themen fehlen lässt, über die der andere in Sorge ist, wird diese Art des Dialogs ineffektiv. Wir hatten viele Gelegenheiten, mit der EKD zusammenzuarbeiten und sollten das Große und Positive bewahren, das wir in fünfzig Jahren erreicht haben. Die Frage ist aber, ob wir unseren Dialog weiter als einen zwischen zwei Kirchen führen, oder ob wir neue Formen der Zusammenarbeit finden sollten. Ich glaube, dass die Antwort darauf gegeben werden wird, wenn ein neuer Ratsvorsitzender gewählt sein wird und klar wird, ob die EKD-Führung dann unsere Sorgen in Bezug auf die wachsenden Differenzen in kirchlichen Schlüsselfragen in einer verantwortlichen Weise ernst nimmt.

Aber was hatte sich eigentlich mit Frau Käßmanns Wahl aus Ihrer Sicht geändert?

Zunächst haben wir die Wahl einer Frau als interne Angelegenheit der EKD betrachtet. Weil wir aber seit fünfzig Jahren einen offiziellen Dialog führten, der als zwischenkirchlicher Dialog höchstrangig eingestuft war, konnten wir nicht einfach weitermachen wie bisher. Auch aus protokollarischen Gründen. Denn der Patriarch hätte sich offiziell nie mit einem weiblichen Bischof treffen können. Das wäre ihm als wenigstens implizite Anerkennung des weiblichen Priestertums ausgelegt worden. Außerdem betrachteten wir die Wahl einer Frau an die Kirchenspitze als weiteren Schritt hin zu einer Liberalisierung der Kirchenordnung, die wir nicht unterstützen wollten.

Aber wieso hat die russische Orthodoxie dann den Dialog nicht schon in den Siebzigern abgebrochen, als weibliche Pastorinnen eingeführt wurden?

Es gab damals unsererseits tatsächlich Überlegungen. Aber 1976 haben wir entschieden, dass es keinen Unterschied macht, ob es weibliche und männliche lutheranische Pastoren gibt, da wir den geistlichen Stand dieser Gemeinschaft sowieso nicht anerkennen.

Warum sollte das bei evangelischen Bischöfinnen jetzt anders sein, die es ja auch schon seit einer Weile gibt?

Weil es einen Unterschied zwischen Bischofs- und Priesteramt gibt. Theoretisch könnten wir die Frauenordination zum Pfarramt als Irrtum des ordinierenden Bischofs einordnen. Wenn der Bischof aber selbst eine Frau ist, dann ist natürlich die Apostolische Sukzession in dieser Kirche selbst unterbrochen.

Die für die Lutheraner gar nicht konstitutiv für das Kirchesein ist ...

... und die aus unserer Sicht gar keine Kirche sind.

Eminenz, um unser Gespräch zusammenzufassen: Sie sind, was die Ökumene anbelangt, eher pessimistisch?

Ja. Aber man darf nicht aufhören, auf ein Wunder zu hoffen.


Komentar zu dem Gespräch mit dem Metropoliten Hilarion Alfeyev.

Herzlichen Dank der Redaktoren der Tagespost für das Interview mit dem Metropoliten Alfeyev (von 20 März 2010, Nummer 33). Es zeigt leider weiterhin eine konkret unchristliche Position dieser orthodoxen Kirche und ihrer Hierarchie, die nur auf der Linie der Politik des Kremls ihre Erklärung zu den gesagten Worten finden kann. Ich kann es einfach nicht verstehen, wie scheinbar gebildeter und habilitierter junge Metropolit solche Unwahrheiten und geschichtliche Verdrehungen als offizielle und „öffentliche“ Person zu der Frage Kirchenbesitzt in der Nachkriegszeiten und Wendezeiten in der Ukraine, sich erlauben darf!?? Es wird somit behautet die Griechisch-Katholische Kirche wurde vom kommunistischen Staat verboten und enteignet, aber ich frage konkret, wo war damals die Orthodoxe Kirche mit ihrer Stimme wegen Ungerechtigkeit im Jahre 1946, sie bekam vom diesem barbarischen Staat doch die schweigsame Möglichkeit zur Weiterentwicklung, wo war das christliche Wort wegen Ungerechtigkeit gegenüber Katholiken als leidenden Mitchristen, wo war damals die Ökumene? Heute werden sogar die stalinistische Taten in Russland unter Obhut (kein Protest, keine klare Worte) der orthodoxen Kirche weiterglorifiziert!

So behauptet der Metropolit, „was 1946 geschah, ging zurück auf die Initiative eines atheistischen Regimes“…und ich darf von mir hinzufügen, mit moralische Unterlassenheit der russischen Orthodoxen Kirche! Der Staat hat genau die unierten Kirchengebäuden den Orthodoxen abgegeben, die Kirchen, die von den und für die katholischen Gläubigen nach jahrelangen Bemühen und großen Opfern errichtet wurden. Wieso aus moralischer Sicht hat dann damals die orthodoxe Kirche nicht gesagt, wir nehmen das ungerecht beraubte „Gut“ einfach nicht? Traditionell ist diese Kirche nach der kommunistischen Herrschaft nur im Äußerem und Scheinbarem geblieben, eine echte „Beichte“ ihrer Taten hat sie bis jetzt nicht durchgeführt!

Zusätzlich zu dieser Ungerechtigkeit verlangt noch heute die Moskauer Orthodoxie der finanziellen Unterstützung des Vatikans! Heutzutage ist die Realität in der Ukraine genau anders, konkret gesagt die unierten Kirche werden weiterhin in großen Zahlen nicht an ihren früheren Besitzer zurückgegeben, gemeint Katholische Kirche. Genau die unierten Christen brauchen dringend Hilfe damit sie die Gottesdienste in den Wäldern unter dem freien Himmel nicht feiern! Der Vatikan geht einfach auf die unmoralischen Initiative und Faktenverdrehungen des Metropoliten (sprich Moskauer Patriarchen) nicht ein, und das finde ich heute als Christ, als eine stützende Haltung des Heiligen Vaters gegenüber der Griechisch-Katholische Kirche in der Ukraine und ein wichtiger moralischer Zeichen für die Zukunft.

Unierter Ukrainischer Christ.

 
Butschatsch (engl. Buchach) Diözese UGKK (Ukrainisch Griechisch-Katholische Kirche), Powered by Joomla! and designed by SiteGround web hosting